Unterirdisches Gangsystem mit Nischen (Schrazlloch / Erdstall)

= ein von Menschen künstlich geschaffenes unterirdisches Gangsystem. Den örtlichen Sagen werden sie auch als Heidenlöcher, Zwergerlloch, Rätlesloch, Erdleitlloch, Alraunhöhle, Alrunenloch, Erdweiblschluf, Schwedenloch und vieles mehr bezeichnet.

In Einsbach befindet sich ein solches Gangsystem zwischen der Pfarrkirche und dem Pfarrhof. Es wurde um 1965 vom Baurat Lorenz Hutner und dem Exbürgermeister Gleiß entdeckt. Beim Kanalbau und beim Bau des Pfarrheims wurden die Gänge verfüllt.

Bauweise
Erdställe bestehen aus einer Vielzahl von Bauelementen: Enger Einstieg, Fallröhre, niedrige Gänge bzw. Durchschlupfe (horizontal und vertikal), verschieden große Kammern, Sitz- u. Lichtnischen, Verschlussvorrichtungen und geräumigere Schlusskammern, die fast ausnahmslos mit ausgehauenen Sitz- oder Liegebänken ausgestattet sind. Oft finden sich Rundgänge, sogenannte Spiralen. In den meisten Erdställen kann man sich nur gebückt, auf allen vieren oder am Bauch weiterbewegen. Durch vielfältige Kombination dieser Bauteile entstanden unterschiedliche Gangsysteme, jeder Erdstall ist für sich einmalig.

Sakral anmutende Bauformen und Elemente eines anderen Erdstalls. Über den aus Einsbach besitzen wir leider keine Fotos.

Zeitliche Einordnung
Das Alter der Erdställe gibt viele Rätsel auf. Als knapp vor der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert die Erdstallforschungen begannen, waren einige "Experten" der Meinung, dass sie maximal 150 bis 200 Jahre alt seien. Andere wieder glaubten, dass sie aus prähistorischer Zeit stammen würden. Die spärlichen Fundstücke, die aus Erdställen bisher geborgen wurden, geben meist nur Aufschluss über spätere Benützungen. Die Erdstallexperten meinen aufgrund von Inschriften und Scherbenfunden heute, dass die Erbauung vieler Erdställe schon zur Zeit der Kolonisierung um das Jahr 1000 n. Chr. stattgefunden haben könnte. Die französischen Forscher sind überzeugt, dass bei ihnen nach dem 13. Jahrhundert keine Erdställe mehr erbaut worden sind.

Verwendungszweck
Die größten Zweifel bestehen über den Verwendungszweck der Erdställe. Im wesentlichen werden von den Forschern drei Theorien vertreten:

  1. Zufluchtsanlage und Versteck: In Kriegszeiten, bei Überfällen und Plünderungen (im Mittelalter sehr häufig), bietet der Erdstall Zuflucht und Versteckmöglichkeit für die Menschen und ihre wenigen Habseligkeiten.

  2. Totenkultstätte: Schrazllöcher finden sich häufig in der Nähe von erhöht liegenden Einzelgehöften, Kirchen oder heiligen Quellen. Deshalb werden sie mit früheren religiösen Riten und Glaubensvorstellungen in Zusammenhang gebracht. Im Mittelalter herrschte rege Siedlungstätigkeit. Zogen die Menschen weiter mussten sie die Gräber ihrer Verstorbenen zurücklassen. Sie fürchteten aber die Rache der Ahnen. Um die Toten gnädig zu stimmen und um sie weiter verehren zu können, baute man am neuen Ort unterirdische Behausungen (Leergräber) für die Seelen der Verstorbenen. Im frühen Christentum war die Vorstellung von einem Zwischenzustand der Seelen, die in unterirdischen Räumen auf ihre Auferstehung warten müssen, schlichtes Gemeingut.

  3. Eine weitere Funktion der Schrazellöcher kann man im Durchschlupfbrauch sehen, der weltweit praktiziert wird, um an die heilende Mutter Erde Gebrechen abzustreifen. Geradezu prädestiniert scheinen die Erdställe für Initiations- und Wiedergeburtsriten zu sein, wobei die Menschen in den "Bauch der Erde" eindringen und sich durch enge Schlupfe zurück ans Licht, in die Sonne, ins Leben pressen.